Dirk's "Ausbildungs-Tagebuch"

Warum schreib' ich das denn überhaupt? Keine Ahnung, ich hab einfach Spaß dran :-) Vielleicht macht es Dir ja auch Spaß, es zu lesen - und hoffentlich macht es Dich ja auch neugierig darauf, einmal das Fetzenfliegen zu probieren.

Vom Fußgänger zum Fetzenflieger?

Irgendwie war es von Anfang an eine Odyssee: schon mit 13 packte mich der Traum vom Fliegen, damals noch mit dem Segelflugzeug. Nur leider gab es auch damals schon das Problem, daß das Fliegen ein nicht ganz billiger Sport ist, der allein mit dem normalen Taschengeld ein Traum bleiben mußte. Nach dem Abi dann der Anreiz: wäre es nicht schön, mit einem Drachen frei wie ein Vogel zu fliegen? Selbst nach einem wunderbaren "Schnuppertag" holten mich die nicht ganz so berauschenden Finanzen wieder auf den Boden zurück.

Dann endlich sollte es im Juli 1998 Wirklichkeit werden: der Gleitschirmkurs gebucht, das Geld gespart - und dann beim Inline-Skaten eine zu harte Landung, der Handkantenschlag auf die Skater-Rampe endete mit gebrochenem Arm im Krankenhaus...
Nach einem knappen halben Jahr waren dann sowohl der Arm wieder genesen als auch der Chef bereit, mir für meinen Kurs Urlaub zu geben: drei Tage vor Kursbeginn die Ernüchterung, wieder ein Traum geplatzt, zwei Meter Tiefschnee auf dem Übungshang, kein Kurs.
Spätestens jetzt wurden die Stimmen lauter, daß das sicher alles Bestimmung sein, ich sollte mich lieber damit abfinden, daß ich nie fliegen werde, da hätte wohl immer mein Schutzengel seine Hand im Spiel gehabt.
Aber so schnell gebe ich ja dann doch nicht auf und so kommt es, wie es kommen mußte...

1. Tag (13.2.99)

Ich bin geflogen! Gut, ich greife etwas vor... Zuerst gab es eine kleine Einführung, die jedoch schnell auf den Übungshang verlegt wurde. Auf diesem Hang lag, genau wie auf den anderen möglichen Übungshängen noch genug Schnee, um denn Weg hoch auf den Berg sehr mühsam zu machen. Dafür hatte der viele Schnee bei den teilweise etwas... unkonventionellen Landungen doch sein gutes: die Aussicht, die Bauchlandung in Kuhfladen statt in Schnee zu machen - naja ;-)
So ein Gleitschirm hat furchtbar viele Strippen - Leinen, die vor einem Start immer komplett entwirrt sein wollen. Und natürlich beschließt der Schirm in der Zwischenzeit, wegen der Ruckelei ein ganz bißchen den Berg runter zu rutschen. Also stapft man wieder hoch zum Schirm, legt ihn besser hin: und schon sind die Leinen verrutscht.
Wenn dann mit viel Geduld alles stimmt, geht's zuerst daran, einfach nur den Berg runter zu rennen, ohne dabei abzuheben. "Einfach nur" schließt dann allerdings alle möglichen und unmöglichen Bergabstiegsmöglichkeiten ein, die zumindest für die anderen ziemlich umwerfend sind. An Abheben ist zuerst sowieso nicht zu denken, allein das Gefühl, wenn das Gurtzeug anfängt zu tragen, entschädigt aber schon viel.
Nach mehreren Versuchen, guten Nerven (beim Gleitschirmlehrer) und trotz Schnee viel Schweiß (auf beiden Seiten) war dann langsam daran zu denken, ein bißchen Kurven zu laufen - welch ein Erfolg! Das kann sich glaube ich nur jemand vorstellen, der's probiert hat, man merkt daran einfach, daß es voran geht - der Himmel ist ja schließlich das Ziel.
Und der kommt immer näher: "Ach ja, übrigens, langsam könnt's mal passieren, daß Du fliegst... dann einfach weiterlaufen - wenn ich Dir's dann über Funk sage, ziehst Du die Bremsleinen einfach voll durch..." Hm, fühlte sich zwar schon klasse an, aber fliegen, danach fühlt's sich noch nicht an. "Wenn Du schon magst, kannst Du auch noch bis da oben hochgehen zum Start." Klar mag ich! Dumme Frage - nur warum ist der verflixte Berg oben so steil und ein Gleitschirm bei den Leinen geschleppt so unförmig? Egal, das Ziel lockt, jetzt kommt dann doch ein gewisses Kribbeln, was davor so noch nicht da war. Und es hat Recht, dies Kribbeln! Nach erstaunlich wenigen Schritten (zumindest kam es mir so vor) geht nichts mehr - zumindest nicht zu Fuß! Der Boden ist weg - Douglas Adams würde jetzt behaupten, ich hätte mich erfolgreich neben den Boden geworfen. Und nun soll ich noch ein bißchen die rechte Steuerleine ziehen? Da hat sich beim Rennen am Boden fast nichts getan - und nun gibt es tatsächlich eine Kurve! Viel zu schnell ist alles vorbei - selbst die Landung scheint ok zu sein, der Schirm faltet sich sauber zusammen.

Nach diesem riesigen Erfolg gab's so viel Energie, daß ich unbedingt wieder auf den Berg mußte, um es noch mal zu probieren.
Aber nach noch einem Flug mußte irgendwann Schluß sein, die Schlepperei schlauchte doch ganz schön und schließlich mußte das ganze Wasser ja auch wieder aus den Schuhen (merke: gute wasserdichte Gleitschirmschuhe müssen sein - aber Gamaschen sind eine gute Idee, damit der Schnee nicht von oben in die Schuhe fällt...)

2. Tag (14.2.99)

Die magische Zahl lautet 20 - so viele Starts (nein, eigentlich doch eher Flüge) braucht man von 40 Meter Höhendifferenz. Nach den zwei Flügen von gestern und den zehn heute habe ich also schon zwölf Flüge hinter mir.
Nicht dazugezählt wird natürlich mein Flug Nummer 10 - nennen wir ihn also einfach 10 a - da kam nämlich das dusselige Kommando "Halt! Stop!", eigentlich das Zeichen dafür, daß der Fluglehrer entdeckt hat, daß zum Beispiel mit dem Schirm etwas nicht stimmt. Hier war es allerdings nur der Test, ob ich einen sauberen Startabbruch hinbekommen. Das hat auch erstaunlich gut geklappt - nur bei dem folgenden Start (nennen wir den also einfach 10 b) bin ich noch langsamer losgelaufen, um auch ja einen sauberen Startabbruch hin zu bekommen. Der bestand dann allerdings darin, daß der Schirm bei einem so faulen Passagier gar nicht abheben wollte, sondern lieber genauso träge wie ich zu Boden ging. Aber um die Zählung komplett zu machen: Nummer 10 c ging dann doch wieder sauber raus - Fliegen ist schön!
Das Übungsprogramm heute bestand aber eigentlich hauptsächlich darin, saubere und halbwegs zielgerichtete Kurven zu fliegen. Am Boden wollte der Schirm sich noch nichts sagen lassen - irgendwelche Kommandos über die Steuerleinen hatte er immer fast völlig an sich vorbeigehen lassen. Doch nun in der Luft ist alles anders: es dauert zwar immer etwas, bis der Schirm reagiert, aber er reagiert auch länger als gedacht - und gegensteuern wie beim Auto führt zum Schunkeln wie bei einem Seemann, der etwas zu viel über den Durst getrunken hat.
Das ganze führte dann dazu, daß aus dem "Lande mal ungefähr da, wo Du vorhin gelandet bist!" mehrere sauber verteilte Spuren wurden, die zwar eine gewisse Tendenz zeigten ("So ungefähr nach rechts..."), aber doch irgendwie wenig miteinander zu tun hatten.

 

3. Tag (15.2.99)

Die magische Zahl heißt übrigens nicht 20, sondern 10... denn heute hat war es bei herrlichem Wetter möglich, noch weitere neun Flüge mit 40 Meter Höhendifferenz zu fliegen. Damit ist also das Ziel, 20 Flüge zu schaffen, bereits hinter mir. Aber ganz nebenbei durfte ich heute auch zum ersten Mal über 100 Meter Differenz fliegen! Das bereits am dritten Tag des Grundkurses zu machen, scheint zumindest nicht immer zu klappen. Beim ersten richtigen Flug am ersten Tag war noch gar keine Zeit, sich beim Flug richtig darüber zu freuen - aber dieser Flug war wirklich der Höhepunkt bisher. Der "Aha-Effekt", plötzlich erstaunlich hoch über dem Erdboden zu sein, Zeit für Steuermanöver zu haben - unbeschreiblich gut. Wenn ich gedurft hätte, wäre ich noch einige Flüge von dort trotz anstrengendem Aufstieg gestartet, aber vernünftiger war halt leider doch, noch etwas vom normalen Hang aus die "Einschlagstechnik" zu verbessern. Denn irgendwie schaffen es Schirm und Wind immer wieder, meiner Flugeinteilung eins auszuwischen, so daß ich statt am geplanten Landepunkt recht weit entfernt im tieferen Schnee lande.

Ach ja, warum jetzt die magische Zahl 10? Das ist die Anzahl Flüge, die man mit 100 Metern Höhendifferenz absolvieren muß. Eigentlich macht man das im Fortgeschrittenen oder A-Schein, aber meinen 100er Flug heute darf ich bereits stolz wie Oskar in mein Flugbuch eintragen.

4. Tag (16.2.99)

Der erste Teil wäre geschafft: da ich gestern bereits alle Flüge für den L-Schein zusammen hatte, habe ich heute nur noch drei Flüge über 70 Meter gemacht und bin nach etwas Theorie bereits früh nach Hause gefahren. Aber das Fliegen vermisse ich jetzt schon!

5. Tag (25.3.99)

Der erste Tag im Fortgeschrittenen-Kurs (A-Schein). Und leider auch der erste Tag, an dem wir nicht fliegen konnten. Mit Rückenwind, Böen und Ansätzen von Föhn durften und konnten wir halt nicht fliegen und mußten uns auf die Theorie stürzen. Aber auch da gab es etwas Praxis: im Schulungsraum im Gurtzeug hängend die Rettung werfen war auch ganz interessant - auch wenn wir alle hoffen, morgen fliegen zu dürfen.

6. Tag (26.3.99)

Fliegen durften wir heute schon - aber auch Kraxeln bis zum Abwinken... Der erste Flug im A-Schein über 100 Meter war noch recht "zuckelig", aber mit etwas Übung ging es dann doch ganz gut. Für jeden Flug muß man aber jedesmal den Schirm zusammenraffen und den Berg wieder hochstapfen - nach den zehn Flügen wissen wir alle, was wir geschafft haben - und freuen uns darauf, morgen mit der Seilbahn fahren zu dürfen.

7. Tag (27.3.99)

Der erste Flug heute war wieder mal ganz neu, ein weiterer großer Schritt: 400 Meter Höhendifferenz! Und kaum noch Lauferei, jetzt muß man "nur" noch den Schirm komplett zusammenpacken, Packsack auf den Rücken und rein in die Seilbahn. Oben nach etwa einer Viertelstunde Fahrt das dicke, fette und schwere "Päckchen" vom Sitz gehoben, bergab geschlittert und schnell den Schirm ausgelegt. Und schon geht es wieder für fünf bis sieben lange und doch viel zu kurze Minuten fliegen!

8. Tag (28.3.99)

Den ganzen Morgen war es so neblig, daß wir einige Zeit in der Bergstation der Hörnerbahn gewartet haben, bis es halbwegs nach Flugwetter aussah. Beim weiteren Warten beim Startplatz haben uns dann "nette" Snowboarder und andere "Fußgänger" mitleidig zu uns hergeschaut, wie wir genervt oder gelangweilt den Himmel angeschaut haben. Dafür konnten wir dann aber später auch genauso mitleidig auf sie herunter sehen: nach fünf Flügen waren wir eigentlich alle so geschafft, daß wir auch bei besserem Wetter kaum mehr geflogen wären.

9. Tag (29.3.99)

Aus dem Vortag haben wir gelernt: ein Fluglehrer ist voraus zum Hang gefahren, um das Wetter zu beobachten, während wir im Schulungsraum Theorieunterricht haben. Und auch heute klart es nach einiger Zeit auf, so daß wir weitere schöne Flüge über 400 Meter Höhendifferenz machen können. Und wie in den letzten Tagen besteht unsere "Flugaufgabe" darin, einen sauberen Start zu schaffen, eine Acht zu fliegen und dann mit einer Landevolte (Landeanflug mit Gegen-, Quer- und Endanflug) heil zu landen.

Mit der Zeit wird es dabei immer wichtiger, auf "Kleinigkeiten" zu achten wie zum Beispiel den Kontrollblick: dabei prüft man beim Aufziehen des Schirms noch vor dem Abheben, ob der Schirm gut steht und die Leinen unverknotet sind. Und da wir das alle bisher nicht besonders gründlich gemacht hatten, hat unser Fluglehrer immer mal wieder kleine Fähnchen an unsere Schirme geknotet, die wir beim Kontrollblick sehen und dann einen Startabbruch machen sollten. Besser: wir hätten einen Startabbruch machen sollen - wir haben alle die Fähnchen zu spät entdeckt...

10. Tag (30.3.99)

Heute sind wir wieder vorsichtshalber zuerst im Schulungsraum geblieben und haben uns einiges über Metereologie beibringen lassen, um dann draußen endlich mal etwas anderes als Schichtbewölkung und Nebel anzusehen. Sonne! Cumoli (Haufenwolken)! Das Wetter versprach schon etwas Thermik, die aber zum Glück noch nicht so heftig ausfällt, daß es einen zu sehr durchschüttelt. Ich war besonders glücklich darüber, da ich heute mal einen anderen Schirm als sonst fliege - der P23/24 hat doch ein etwas anderes Flugverhalten als "mein" Philou im L-Schein oder der Boogie bisher im A-Schein und da gab es auch ohne Thermik genug Schuckelei.

11. Tag (31.3.99)

Heute morgen wieder eine Überraschung: es geht nicht wie bisher zur Hörnerbahn am Weierkopf, sondern zum Mittag. Da ein fleissiger Bauer den normalen Landeplatz mit reichlich Jauche gedüngt hat, fliegen wir zu dem zweiten Landeplatz, welcher der Flugschule zur Verfügung steht.

Irgendwie bin ich heute wesentlich vorsichtiger als sonst, der Respekt vor dem "neuen" Berg mit den 650 Metern Höhendifferenz, stärkerer Wind und etwas Thermik führen dazu, daß ich nur um die Kurven schleiche.

12. Tag (1.4.99)

Heute funktioniert dagegen wieder alles besser: bei herrlichstem Sonnenschein ohne eine einzige Wolke am Himmel konnten wir sehr ruhige Flüge machen. Nach drei Flügen auf dem P23 war es deshalb möglich, auch mal wieder einen anderen Schirm auszuprobieren - der Harmony fliegt sich ähnlich wie der P23, erfordert aber geringere Steuerdrücke, das Fliegen macht nochmal so viel Spass, wenn der Übungsflug mit Flugfigur und sauberer Landung klappt. Hoffentlich läuft es bei der Prüfung auch so gut!

13. Tag (2.4.99)

Langsam aber sicher ist das Ende des Kurses absehbar und bei uns greift das Gleitschirmfieber immer weiter um sich: wir diskutieren über die Vor- und Nachteile verschiedener Schirme und rechnen nach, wie sehr die Ausrüstung das Konto belasten würde. Mich hat es auch ziemlich erwischt - welchen Schirm ich mir kaufen werde, habe ich zwar immer noch nicht entschieden, aber das Gurtzeug, Rettungsschirm und den Helm habe ich mir bereits gestern aus der Flugschule mitgenommen. Meinen ersten Flug heute mache ich mit einem Arcus von Swing, einem der Schirme, den ich mir vielleicht kaufen werde. Genau bei diesem Flug gibt es gute Thermik über dem Wald, in der ich mit Hilfe von Tips des Fluglehrers herrlich lange über den Wald kreisen kann. Am Ende des Flugs habe ich fast schon Probleme, nur durch Kreisen über der Position Höhe abzubauen, selbst über dem normalen Untergrund gewinne ich immer wieder Höhe. Also wird für mich nur der "kleine" Arcus in Frage kommen, für den von mir geflogenen "mittleren" wiege ich mit 60 Kilo einfach zu wenig.

Auch der nächste Flug wieder mit "meinem" P23/24 ist deutlich thermischer als am Tag davor - es macht wirklich Spass, die Aufwinde zu spüren! (Mal sehen, ob ich das bei stärkerer Thermik auch noch so sehe...) Also weiß ich immer noch nicht, ob ich lieber einen P24 oder einen Arcus kaufen will :-)

14. Tag (3.4.99)

Mal wieder ein Tag mit Überraschungen: der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage schlechteres Wetter vorher - da mehrere von uns heute den letzten Flug hinter sich bringen, können wir bereits heute abend die Theorieprüfung ablegen, die praktische Prüfung ist für morgen früh angesetzt.
Die Prüfung klappt erstaunlich gut - bis auf einen von uns, der wahrscheinlich einfach nur Schwierigkeiten wegen der Sprache hatte und bereits davor einmal deswegen durchgefallen war - schaffen wir es alle ohne Probleme.
Vielleicht haben wir a morgen unsere Prüfung bereits hinter uns - ich beschließe, mich endlich zu entscheiden und bestelle "meinen" Schirm. Ein nagelneuer roter Arcus von Swing solls sein, Größe S, damit ich mit meinen sechzig Kilo nicht bei der kleinsten Thermik nicht mehr auf den Boden komme wie bei meinem Probeflug mit dem mittleren Schirm.

15. Tag (4.4.99)

Regen. Gleitschirmfliegen ist doch irgendwie wetterabhängig - und das spielt natürlich ausgerechnet am Prüfungstag nicht mit. Zu recht kräftigen Regenschauern auch noch Rückenwind am Startplatz führen dazu, daß wir richtig Urlaub machen können und Zeit haben zum Ausruhen und Lesen. Morgen soll es einen weiteren Versuch geben - mal sehen, ob es klappt.

16. Tag (5.4.99)

Wieder Regen. Zeit zum Ausruhen haben wir jetzt echt genug. Wir treffen uns abends immer in irgendeiner netten Gaststätte, um uns den Bauch vollzuschlagen und übers Fliegen zu klönen - oder halt über das Wetter...

17. Tag (6.4.99)

Das war's dann wohl... Heute morgen gab es etwas ungünstigen Wind, so daß die beiden Prüfer beschlossen, zum Nebelhorn zu fahren, um dort die Prüfung durchzuführen. (Klar, nach einer Stunde war das Wetter am normalen Übungshang natürlich wieder gut - der zweite Teil vom Kurs konnte wie immer gut fliegen!)
Also Prüfung an einem Hang, an dem wir noch nie geflogen waren, kein Probeflug möglich, da unsere Fluglehrer am anderen Hang bei den anderen bleiben mußten, die noch dringend Flüge brauchten. Der Landeplatz an der Mittelstation der Nebelhornbahn ist eigentlich idiotensicher, platt wie ein Fußballfeld und riesig groß - nur wir sind natürlich "unseren" Weiherkopf-Landeplatz gewöhnt, schräg wie das Deck der Titanic beim Absaufen. Leider kann man sich anscheinend viel zu gut an den Platz gewöhnen: irgendwie schaffen es viele von uns nicht, auf Anhieb die Höhe für die Landung richtig abzuschätzen, es hagelt Nachflüge.

Mich erwischt's richtig, ich verschätze mich blöderweise komplett ("Such... wo ist denn der blöde Windsack, der sollte doch da irgendwo sein?! Egal, das paßt schon so...") - saufe ab und lande in der Kurve vom Quer- in den Endanflug graziös wie ein Elefant bei Schlittschuhlaufen und lege mich erst mal effektvoll in den Schnee. Für so viel Dummheit folgt die Strafe sofort: nicht mal ein Nachflug möglich, sofort durchgefallen.
Erfolg des Tages: von zwanzig Prüflingen sieben durchgefallen! Und wie gesagt etliche Nachflüge wegen falscher Landeeinteilung, ein paar landen vielleicht vierzig/fünfzig Meter vor, andere hinter dem Landebereich. Alle fünf, die mit mir die Höhenschulung begonnen haben, sind durchgefallen - Wahnsinn.
In der Flugschule danach noch lange Diskussionen, ob es sich lohnt, wegen des fehlenden Windsacks Einspruch einzulegen (bei der Landeplatzbesprechung hatte ich extra danach gefragt, es sollte natürlich einer aufgestellt werden, aber er war von den Prüfern in der Eile am Übungshang vergessen worden... und der Windsack auf der Liftstütze war doch sehr weit entfernt vom Landeplatz).
Keine Ahnung, ob ich mit Windsack besser gelandet wäre - warum war ich auch nur so dusselig, in der Kurve "einzubomben"?! Nach einigem Hin- und Her, Telefonaten mit der Prüferin, ob wir eventuell die Prüfung am folgenden Tag wiederholen dürfen, beschließen wir gemeinsam, aus einer Mücke keinen Elefanten - sprich aus einem fehlenden Windsack keinen offiziellen Einspruch zu machen - und niedergeschlagen nach Hause zu fahren.
Leider gibt es nicht mehr die Regelung, daß man nach zehn weiteren Flügen die Prüfung wiederholen darf - die Flüge hätten wir vielleicht mit viel Glück bis zum Ende der Woche noch machen können - der DHV hat beschlossen, daß man sieben Tage warten muß, ehe man die Prüfung wiederholen darf. Tja, das dürfte bei uns dazu führen, daß wir es ohne weitere Flüge noch mal versuchen müssen - den Sinn der Regelung verstehen wir alle nicht, einfach eine weitere Woche Urlaub anhängen kann keiner von uns. Die fünfzig Mark, die wir für die Prüfung in den Sand (Schnee :) ) gesetzt haben, sind Peanuts gegen das, was da noch auf uns zukommt: wieder ca. 1300 Kilometer Auto fahren, Urlaub nehmen, Unterkunft und eventuell Leihgebühren für die nächste Prüfung und Prüfungsgebühren für die Flugschule - mir graust's bei dem Gedanken...
Hoffentlich dürfen wir Ende nächster Woche bei einer anderen Schule die Prüfung mitmachen - hoffentlich bekomme ich Urlaub, hoffentlich stimmt das Wetter - irgendwie muß viel zu viel klappen, mal sehen, wann wir Bruchpiloten unsere Prüfungen endlich schaffen.

20.4.99

Ein riesiger Karton kommt bei mir zu Hause an: mein Arcus ist da! Nur leider darf ich ihn noch nicht fliegen - zumindest nicht ohne Fluglehrer. Ich probiere alles im Wohnzimmer aus und will einfach nur fliegen!

8.5.99

Irgendwie waren die letzten Wochen ziemlich vollgepropft mit Terminen, daher schaffen wir es erst jetzt wieder, uns um das Fliegen zu kümmern: mit zwei anderen Freunden und meiner Freundin wollen wir in Elpe halbwegs in der Nähe von Paderborn etwas Praxis beim Fliegen sammeln – mit Fluglehrer selbstverständlich, da ich ja ohne Flugschein nicht alleine fliegen darf. Nur verbringen wir den kompletten Tag am Fluggelände und schauen nur bei der L-Schein-Schulung zu: zu unbeständiges Wetter für echte Flüge.

21.5.99

Seit Anfang April gab es leider keine weiteren Prüfungstermine, bei denen ich teilnehmen konnte: warum liegen die so blöd mitten in der Woche, wo man sich für die Prüfung extra frei nehmen muß? Egal: eine andere Flugschule bietet heute am Weiherkopf eine Prüfung an – und ich darf teilnehmen.
Dürfte, präziser. Es schüttet aus Kübeln. Und ich bin wieder 1300 Kilometer umsonst gefahren – irgendwie ist Gleitschirmfliegen doch nicht immer so umweltfreundlich, wie ich das mal gesehen habe. Vielleicht brauche ich auch nur einfach irgendwann einen Job im Allgäu =:) Ein Gutes hat die Fahrt aber doch: wenn das Wetter halbwegs gut ist, findet wahrscheinlich am Montag noch eine Prüfung statt.

24.5.99

Pfingstmontag. Erstaunlich gutes Wetter nach dem vielen Regen der letzten Tage. Zur Prüfung habe ich meinen P23 aus der Schulung ausgeliehen, den ersten Flug mit meinem Arcus in der Prüfung zu machen ist dann doch wohl zu gewagt :). Die Prüfung wird wieder von der anderen Flugschule organisiert - am Weiherkopf. Und es sind wieder genau die beiden Prüfer, wie bei meiner ersten Prüfung... Wir blödeln am Start rum, daß ich beim letzten Versuch den Start bestanden habe - so ein Unfug, wie denken die sich eigentlich, daß ich diesmal in die Luft komme? Ohne Start doch wohl kaum :)
Aber der Start ist so schlecht wie lange nicht mehr: ich bin es einfach nicht gewöhnt, daß der Startplatz so huckelig ist ohne den ganzen Schnee und rupfe außerdem viel zu stark an meinem P23 rum. Die Landung dagegen ist so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Kommentar der Prüferin mit einem Grinsen, nachdem ich mit meinem Kram bei ihr angeschlurft komme: "Also: Du hast bestanden. Die Landung war ok - aber ich soll Dir von dem Prüfer vom Start ausrichten lassen, wenn Du den Start nicht davor schon bestanden hättest, wärst Du jetzt durchgefallen..."
Egal wie: Jubel! Endlich nicht mehr Fußgänger!
Mein Fluglehrer schult auch grade am Weiherkopf - nachdem die Prüfung zu Ende ist, fliege ich daher noch mal mit Unterstützung über Funk den ersten Flug mit meinem eigenen Schirm!

Gut, das ganze ist doch erstaunlich lang geworden - vielleicht hast Du es doch bis hier hin geschafft? Ich setze mein "Ausbildungs-Tagebuch" einfach mal ins Netz, ich hoffe, das Kribbeln im Bauch bei den ersten Flugversuchen kommt etwas 'rüber - wenn es bei Dir wirkt, würde ich mich über eine kleine Nachricht an Dirk@Verheddert.de sehr freuen.

See you in the sky,

Dirk

Ps: Um das Kribbeln beim Gleitschirmfliegen gehts auch auf der Seite "Das erste Mal" - schau' doch mal rein!

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